Struktur und (Erkennungs-) Merkmale des unbewussten Ego

Das unbewusste Ego hat unendlich viele verschiedene Gesichter.

 

Beispiel:

 

Ein Mensch brauchte bisher edle und extravagante Kleidung, um sich wertvoll und bedeutend zu fühlen und um sich von anderen Menschen abzuheben. Nun fällt ihm auf, dass er diese Kleidungsstücke immer mehr auch bei anderen sieht, da es immer schneller auch günstige "Kopien" der Markenartikel gibt. So entscheidet er sich für einen anderen Stil. Dieser ist betont leger, aber immer noch gezielt ausgewählt, um "gut anzukommen". Das Ego ist noch im Spiel. In einem neuen Gewand. Es hat eine neue Identifikation gefunden. Einen neuen Besitz, einen Status oder eine neue Lebenseinstellung. Weil es dem Ego darum geht, seinen Wert durch äußere Umstände zu steigern bzw. zu erhalten. Es braucht das Gefühl, sich abzuheben von den anderen. Es hat ständig das Bedürfniss das "Ich" abzugrenzen, aufzuwerten oder über andere zu stellen. In welcher Form auch immer.

Die entscheidende Frage nach dem Ego ist vor allem die Frage nach der Motivation hinter den Dingen:

Ist diese Entscheidung vom Herzen getroffen worden, hat sich dieser Mensch selbst etwas Gutes tun wollen? Oder ist es ihm in erster Linie wichtig, seine Außenwirkung zu betonen, um die für ihn notwendige Aufmerksamkeit / Anerkennung zu bekommen?

 

Die Struktur des unbewussten Ego ist immer gleich, der Inhalt ist verschieden:

 

Egal was wir durch seine Steuerung tun... es geht immer um Macht, Aufmerksamkeit und Gier / das Verlangen nach mehr. Es geht darum, der Angst vor der inneren Leere, dem Gefühl nichts (wert) zu sein, zu entkommen oder auszuweichen. Das Ego tut alles, dies zu füllen, zu überspielen oder zu verdrängen.

 

Das unbewusste Ego:

 

... ist die Fortsetzung unseres verletzten Kindes in uns / unsere vorgetäuschte, illusorische Identität / unser falsches Selbstbild / was wir glauben zu sein / mit was wir uns identifizieren

 

... besteht aus anhaftenden Denk,- und Verhaltensmustern (die uns als Kind scheinbar oder tatsächlich geholfen / beschützt haben und uns als Erwachsene im Weg stehen / wie ein Korsett einzwängen...).

 

... ist unbewusst und vermeidet das Bewusstsein / Ego und Bewusstsein schließen sich aus, denn wenn wir uns des Egos bewusst werden, lassen wir uns von ihm nicht mehr steuern.

 

... trifft Entscheidungen nicht aus dem Herzen, ihm geht es nicht um das Wohlergehen, die wahre Fülle und bedingungslose Liebe sondern um (schnelle) Bedürfnisbefriedigung (im Außen). Diese hält aber nie lange an. Dann braucht es die nächste Befriedigung und Erfüllung.

 

... "spricht" auf negative / pessimistische Weise mit uns

 

 

Lassen wir uns von unserem unbewussten Ego führen und steuern, dann macht sich das wie folgt bemerkbar:

 

 

Ausweich -und Vermeidungsverhalten in Form von:

 

Abwehr / Angriff:

 

... wir erklären, bewerten, beurteilen, verurteilen, zensieren, diskriminieren

 

... wir wollen die Kontrolle behalten / kontrollieren / steuern / manipulieren / beeinflussen...

Situationen, Menschen, Institutionen, Firmen, ganze Systeme

 

... wir handeln / agieren / reagieren aus niederen Beweggründen (Angst, Zweifel, Scham, Schuldgefühl, Misstrauen, Missgunst, Neid, Gier, Geltungsbedürfnis…)

 

... wir nehmen alles persönlich, fühlen uns sehr schnell persönlich angegriffen und wir haben immer das Gefühl, uns verteidigen zu müssen. Dies macht sich sichtbar durch...Beleidigtsein, Falschheit, Gehässigkeit, Sarkasmus, Gemeinheit, Mobbing...

z.B. auf individueller Basis in Form von Mobbing oder auf kollektiver Ebene in Form von Terror und Krieg

 

... wir reagieren auf der Kind-Ebene / Kind-Ich / übernehmen keine Eigenverantwortung / (re)agieren mit Schuldabweisung und aus der Opferhaltung heraus, z.B. indem wir andere durch hilfloses Verhalten oder beleidigt sein manipulieren...

 

... wir (re)agieren auf der Eltern-Ebene / Über-Ich  / übernehmen keine Eigenverantwortung / (re)agieren mit Schuldzuweisung und aus der Verfolgerhaltung heraus, z.B. indem wir andere bewerten oder verurteilen...

 

... wir leben im Gestern oder im Morgen / wir grübeln über die Vergangenheit und planen die Zukunft. Uns fällt es schwer im Hier und Jetzt / in dem Moment zu SEIN. Uns selbst mit allem was ist „auszuhalten“.

 

... wir sind auf der ständigen, unerfüllten Suche (im Außen) nach Ablenkung und Anerkennung, um verdrängte Gefühle wie Angst, Wut, Traurigkeit, innere Leere bis hin zu Verzweiflung in uns drin nicht spüren zu müssen. Es fällt uns schwer mit Sorgen und Zweifeln und tief festsitzenden Emotionen umzugehen, sie anzunehmen und zuzulassen und sie somit loszulassen. 

 

... es dient uns als Schutzmaske / Fassade und soll uns davor schützen angreifbar zu sein und in Frage gestellt zu werden. Wir vermeiden jene schmerzhafte Erfahrungen wieder erleben zu müssen. Uns klein und schwach zu fühlen.

 

Doch solange wir dem ausweichen, steuert und lenkt uns das Ego unbewusst und hat uns unter Kontrolle.

 

 

Bestätigung von außen in Form von:

 

Aufmerksamkeit / Anerkennung:

 

... wir wollen immer irgendetwas…geliebt und anerkannt werden, erfolgreich sein, gut genug sein, besser sein...

 

... wir brauchen eine Identifikation um uns wertvoll zu fühlen, z.B. mittels Besitz, Bildungsgrad, Beruf, Status...

 

... wir brauchen den Wettbewerb und ein Ziel / äußeren Anreiz

 

... wir haben das Bedürfnis, uns und anderen immer irgendetwas beweisen zu müssen

 

... wir brauchen immer etwas, was uns abhebt von den anderen, egal wie

(auch betonte Zurückhaltung kann eine Form des Ego's sein, um die nötige Aufmerksamkeit zu bekommen)

 

 

Anpassung:

 

... wir sind voller Erwartungen, Vorstellungen, Bedingungen an uns selbst und an andere / an unser Umfeld, z. B. in der Form „Nur wenn du dich auf eine bestimmte Weise verhältst, kann ich mich gut fühlen."

(Diese enden zwangsläufig in Enttäuschungen und Missverständnissen. Denn niemand kann uns das geben, was wir uns selbst nicht in der Lage sind zu geben bzw. geben zu wollen. Damit ist die innere Annahme von sich selbst gemeint, und nicht Hilfe und Unterstützung von außen, z.B. wenn jemand behindert ist.)

 

... wir sehen die eigenen Gedanken und Gefühle als die Wahrheit und Realität

 

... wir schließen von uns auf andere und reflektieren zu wenig unser Denken, Fühlen und Handeln

 

 

Wir folgen der aufgesetzten Ego-Bedürfnisbefriedigung als Ersatz für die wahre Sehnsucht nach Liebe.


Beispiele für Identifizierungen / Anhaftungen des unbewussten Ego

 

Solange wir uns noch von unserem unbewussten Ego steuern lassen, brauchen wir bestimmte Identifizierungen und Anhaftungen für unser Selbstwertgefühl. Wir definieren uns nicht rein über uns selbst, sondern über das was wir besitzen und was wir nach außen darstellen.

 

Identifikationen / Anhaftungen:

 

Mit dem Besitz und materiellen Gütern:

  • Kleidung, Schmuck, Grundstück, Haus, Einrichtung, Auto(s), Vermögen…

 

Mit bestimmten Lebenseinstellungen:

  • Wir schließen von uns auf andere und gehen davon aus, dass unsere Weltansicht die richtige ist und anderen nur noch richtig vermittelt werden bzw. verteidigt werden muss

 

Mit unserem Verhaltensmuster:

  • Erwartungen, Vorstellungen an uns und andere werden nicht in Frage gestellt und es kommt zu Enttäuschungen, wenn diese nicht erfüllt werden
  • „gute“ Eigenschaften… dein Fleiß / deine Güte und Barmherzigkeit / dein Ehrgeiz / deine Sehnsucht / dein Wissen / deine Loyalität / deine Leichtigkeit / dein Gerechtigkeitssinn / deine Ausgeglichenheit

 

Mit dem Abschluss / dem Beruf / der Karriere / dem Status:

  • „Ich bin Chef“ statt „Ich arbeite als Chef“

 

Mit „wichtigen“ Menschen / Bekanntschaften:

  • „Ich kenne den… wichtigen Menschen“

 

Mit unseren Talenten:

  • „Ich bin ein Maler“ statt „ Ich liebe es zu malen“